Nachrichten

Fukushima geht uns alle an.
Endlich Schluss mit dem Größenwahn.


Der 11. März 2011 ist einer jener Tage, an die man sich noch lange erinnern wird. Sie zerteilen die Zeit in ein "Vorher" und ein "Nachher". Die Nachricht vom Erdbeben, Tsunami und von der Atomkatastrophe in Japan erreichte uns soeben. Dazu ein Kommentar vom 13. März:

Die Welt ist klein geworden. Das zeigen die Katastrophen in Japan. Eine Mitarbeiterin unserer Gemeinde stammt von dort. Und die Tochter einer anderen Mitarbeiterin studiert gerade in Sendai, unweit des Epizentrums des Bebens. Was vermeintlich "weit weg" geschieht, kommt uns so nah. Möglicherweise aber war die Welt schon immer klein und verletzlich, jedenfalls zu klein und schutzlos gegenüber einem weit verbreiteten menschlichen Irrglauben. Was als "moderne Hochtechnologie" verkauft wird, entspringt nicht selten einer extremen Vermessenheit, man kann sagen: einem technischen Größenwahn. In Atomkraftwerken hantieren Menschen mit hochgiftigen Gefahrstoffen und äußerst komplizierten Prozessen, die auf absolute Fehlerfreiheit angewiesen sind. Es ist abenteuerlich, mit einer radioaktiven Strahlung zu hantieren, die für mehr als tausend Menschengenerationen unfallfrei behandelt werden müsste, damit
nicht große Teile unserer Erde zerstört werden.

Man hat die japanische Atomtechnik für eine der sichersten der Welt gehalten. Dies aber wohl nur, weil mancher Skandal geschickt vertuscht werden konnte. Kaum anders ist es in Deutschland. Auch hier wird gern von Energiekonzernen und ihren politischen Verbündeten behauptet, man tue das "Menschenmögliche" für die Sicherheit. Aber mal abgesehen von der Tatsache, dass es dem Menschen erfahrungsgemäß eben nicht möglich ist, keine Fehler zu machen: dies scheint denn kaum mehr als interessegeleitete Propaganda zu sein. Der Untersuchungsausschuss zum Atomlager "Asse" hat den Pfusch ans Tageslicht gebracht, mit dem in der Atomindustrie offenbar zu Werke gegangen wird. Radioaktiver Müll wurde mitten in Niedersachsen buchstäblich abgekippt – ohne die eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu beachten. Atomfässer zerbersten, radioaktive Laugen drohen sich unterirdisch mit Grundwasser zu verbinden. Mitarbeiter der Asse berichten, dass sie niemals die vorgeschriebenen Dosimeter (zur Messung der Strahlung) getragen hätten, die Geräte hätten stattdessen unbenutzt im Schrank gelegen. Deren angebliche "Messwerte" jedoch wären fein säuberlich in gefälschte Tabellen eingetragen und an die Behörden gemeldet worden. Derzeit produzieren 17 Atommeiler in Deutschland große Mengen an Müll, der noch für Jahrtausende tödliche Strahlung abgeben wird. Weder hier zu Lande noch irgendwo sonst auf der Welt aber gibt es bislang auch nur einen einzigen Ort für eine sichere Lagerung. Es herrscht das Prinzip des "Sankt Florian": verschon mein Haus, zünd andere an!

Gegen den Protest der Anti-Atom-Bewegung wurde soeben der längst vereinbarte Ausstieg aus der Atomenergie jäh gestoppt. Die "Laufzeitverlängerung" beschert den vier großen Energiekonzernen zusätzliche Milliardengewinne. Und man darf vermuten: diese Extraprofite waren das eigentliche Ziel jener politischen Allianz. Nun dürfen die "Dinosaurier" länger am Netz bleiben, während so die boomende umweltfreundliche Technik, die Strom aus erneuerbaren Energien gewinnt, ausgebremst wird.
Übrigens ist hier auch der normale Stromkunde Teil des Systems. Wer immer nur danach sucht, was möglichst "billig" ist, handelt möglicherweise zerstörerisch. Der angeblich "billige" Atomstrom wird nach außen hin schön gerechnet – und kommt uns alle womöglich sehr teuer zu stehen.
Dies ist auch ein Grund, warum die Friedensgemeinde seit mehr als 10 Jahren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien nutzt und zusätzlich eine "Bürgersolaranlage" auf dem Gemeindedach installiert hat. Natürlich ist dies auf der Stromrechnung zunächst etwas teurer. Und wir haben wirklich nicht zuviel Geld, sondern müssen sparen. Aber: was bitte nützt denn das Sparen an falscher Stelle? Der etwas höhere Strompreis für umweltfreundliche Energie ist nicht weniger als eine Zukunftsinvestition in eine lebenswerte Erde – und dies sollte sie uns denn doch wohl wert sein?!
Was uns angesichts der Nachrichten aus Japan im Augenblick bleibt?

Zunächst gedenken wir der Toten und Geschädigten: in unseren Gottesdiensten und Gemeindegruppen.
Wir nehmen uns vor, Hilfe zu organisieren. Es werden Benefizkonzerte in der Friedenskirche stattfinden – zusammen mit Japanerinnen und Japanern, die in Bremen leben (bitte die Aushänge vor der Kirche beachten!). Auch sonst wollen wir Spenden und Kollekten sammeln.
Wir werben für einen Umstieg auf erneuerbare Energienutzung – und sind Teil des Klimabündnisses Östliche Vorstadt und der "Bremer Klimafreunde".
Und wir wollen auf die Gefahren einer rücksichtslosen Atomtechnologie hinweisen: schon vor den Ereignissen in Japan hatten wir eine Veranstaltung und Ausstellung zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vorbereitet. Die wird nun nochmals aktueller. Die Fotos aus Tschernobyl sind vom 30. März bis zum Jahrestag am 26. April in der Friedenskirche zu sehen.

Für Ostermontag, 25. April, sind Ostermärsche zu allen 17 Atomkraftwerken in Deutschland geplant. Für Bremen wäre das Atomkraftwerk Unterweser das Ziel. Dorthin könnten viele gemeinsam aufbrechen und ein österliches Signal setzen.
Sicher wird es in den nächsten Wochen noch weitere Gelegenheiten geben, einer menschlichen Vermessenheit entgegen zu treten, die sich im Irrglauben einer angeblich fehlerfrei zu betreibenden Großtechnologie niederschlägt. Offenbar täte uns ein gewisses Maß an Demut gut. Theologisch gesprochen ist der Mensch mit unendlich vielen Gaben gesegnet, macht aber zugleich immer auch Fehler. Wir sind "Gerechte und (Umwelt-)Sünder zugleich" - und bedürfen als solche alle immer wieder auch der Vergebung. Niemals aber sollten wir wohl Mechanismen und Verhältnisse schaffen, in denen absolut kein Fehler passieren darf. Wer so rechnet, hat sich schon im Grundsatz verrechnet.

Meine Meinung: Atomkraft ist verantwortungslos.

Christinnen und Christen jedoch sind aufgerufen, zu tun, was dem Leben dient.

Bremen, 13. März 2011
Pastor Bernd Klingbeil-Jahr, Evangelische Friedensgemeinde Bremen

Großer Zuspruch für die BÜRGER-SOLAR-ANLAGE FRIEDENSGEMEINDE
Auf dem Dach des Gemeindehauses der Evangelischen Friedensgemeinde im Bremer Steintorviertel (Humboldtstraße 175) ist eine "Bürger-Solar-Anlage entstanden. Ab August 2010 liefert sie Strom ins Netz.

Etwa 100.000,- Euro wurden hier investiert, damit künftig klimaschonender Strom aus der Sonnenenergie gewonnen werden kann. Die Anlage hat eine Leistung von 28 Kilowatt peak (kWp)und wird damit mehr Strom produzieren als durchschnittlich im Gebäudekomplex der Friedenskirche verbraucht wird. Der erzeugte Solarstrom wird ins öffentliche Netz eingespeist.

Rund um die Solaranlage hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die das Modell aktiv unterstützt und auch gemeinschaftlich finanziert. Die Evangelische Friedensgemeinde ist Teil dieser Initiative, stellt die soeben sanierten und wärmeisolierten Dachflächen zur Verfügung und steuert eine kräftige Anschubfinanzierung bei.

Auf einer Versammlung interessierter Bürgerinnen und Bürger haben sich am 26. Mai zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner des "Viertels" bereit erklärt, die Sonnenenergieanlage privat mitzufinanzieren. Mehr als die Hälfte der Gesamtkosten, nämlich 55.000,- Euro werden von Privatpersonen bereit gestellt, die auf diesem Wege ein Zeichen setzen für den Umwelt- und Klimaschutz. Es hatte sogar noch mehr Interessenten an einer finanziellen Beteiligung gegeben, die gar nicht alle berücksichtigt werden konnten. Zudem trägt die swb proNatur mit einer Förderung von 20.000,- Euro zum Gelingen dieses Projektes bei.
Die Anlage wird vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND-Umweltdienstleistungs-
gesellschaft) betrieben. Das Modell hat sich andernorts bereits bewährt und ist seriös durchgerechnet. Die Bürgerinnen und Bürger sowie die evangelische Kirche im Viertel finanzieren mit den zur Verfügung gestellten 20jährigen Darlehen die Solaranlage. Aus den verlässlichen Einnahmen der Photovoltaikanlage werden - nach Abzug der laufenden Betriebskosten - jährlich die Überschüsse an die DarlehensgeberInnen ausgezahlt. So wird nicht nur das Darlehen getilgt, sondern es ist auch eine Verzinsung von ca. 4,6 % zu erwarten. So lohnt sich diese Investition nicht nur unter Klimaschutzaspekten, sondern auch für den eigenen Geldbeutel.

"Wir sind sehr erfreut über die große Unterstützung aus der Nachbarschaft", sagt Pastor Bernd Klingbeil-Jahr von der Friedensgemeinde. "Die Erfahrung zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger in Sachen Klimaschutz offenbar weiter denken als manche Politiker und Stromkonzerne. Menschen nehmen die umweltfreundliche Energieproduktion in ihrer Nachbarschaft in die eigenen grünen Hände. Das ist sehr ermutigend". Die Solarenergiepotentiale sind auch in Bremen bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Hier besteht noch großer Handlungsbedarf. Die starke Resonanz zeigt, dass viele BürgerInnen förmlich darauf warten, sich vor Ort ganz konkret für eine klimafreundliche Energieversorgung einzusetzen", so Siecke Martin, Klimaschutzreferentin des BUND Bremen.  Zurzeit wird die Sonnenenergieanlage montiert. Sie wird im Juni 2010 ihren umweltfreundlichen Betrieb aufnehmen.

Ansprechpartner:
Siecke Martin
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
Landesverband Bremen e.V.
Am Dobben 44
28203 Bremen
Tel: 0176/36 25 78 53, 0421/79 00 243
Fax: 0421/79 00 290

Bernd Klingbeil-Jahr
Evangelische Friedensgemeinde
Humboldtstr. 175, 28203 Bremen
Tel. 0421 / 70 01 08
klingbeil.jahr@t-online.de
www.friedenskirche-bremen.de

Mittagstisch im CaféPax.
Dienstags und donnerstags ab 13.00 bis 14.30 Uhr wird (außer in den Schulferien) im CaféPax des Gemeindehauses ein günstiger Mittagstisch angeboten. (weitere Infos >>>)

Arbeitslosenfrühstück.
Jede Woche treffen sich erwerbslose Frauen und Männer zum selbstorganisierten Frühstück im CaféPax. Dann werden Ideen und Ansichten ausgetauscht. Donnerstags um 10.30 Uhr.
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Information zur BürgerSolarAnlage:

Was ist ein kWp?
Die elektrische Leistung eines Photovoltaik-Moduls, also die Strommenge, die sie erzeugt, wird in kWp (Kilowatt peak) angegeben. Da die Leistung abhängig von der Sonneneinstrahlung
ist, gibt man die Spitzenleistung (peak) des Moduls an. Wenn ein Modul eine Stunde lang 1 kW Strom produziert, dann wurde eine kWh
(Kilowattstunde) Strom erzeugt.
Ein Photovoltaik-Modul mit einer Leistung von 1 kWp produziert innerhalb eines Jahres ungefähr 1.000 kWh. Ein Drei-Personen-Haushalt verbraucht in einem Jahr ungefähr 4000 kWh.