Selig sind die Klimaschützer.
2010 - Ein Themenjahr für die Umwelt.

Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung – das sind die drei zentralen Themen der Kirchen für die kommenden Jahrzehnte. Der Weltrat der Kirchen ruft Christinnen und Christen auf, für diese Ziele einzutreten – überall auf der Welt. Und so hat auch die Friedensgemeinde sich immer wieder mal mit Schwerpunktthemen befasst. Im “Jahr für Afrika” wie auch im Themenjahr “Was tun für eine soziale Stadt” ging es um Fragen der Gerechtigkeit und des (sozialen) Friedens.
2010 nun wenden wir uns dem dritten Thema zu:
der Bewahrung der Schöpfung.

Es gibt viele Gründe, sparsam mit dem Verbrauch von natürlichen Ressourcen umzugehen. Da sind zum einen die hohen Kosten für Heizung, Strom und Wasser. Zum anderen werden die Ressourcen selbst knapper: längst schon gibt es zuwenig Trinkwasser. Menschen sterben, weil sie keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, Konflikte drohen. Um andere Rohstoffe werden bereits   verdeckte Kriege geführt. Für Öl oder das Koltan, das man für die Handy-Produktion benötigt, sterben schon heute Menschen ungezählt.
Auch dies macht deutlich, wie eng die Umweltzerstörung mit Unrecht und Kriegsgefahr verbunden ist. Und wie wichtig es wäre, künftig friedliche Wege für gerechtes Teilen zu finden. Würden alle Erdbewohner genauso viel Natur verbrauchen wie wir Deutschen – dieser Planet hätte keine Chance zu überleben.

Das Thema hat also auch einen moralischen Aspekt. Schon im Schöpfungsmythos der Bibel, einem bald 3000 Jahre alten Text, ist der Auftrag an die Menschheit erstaunlich deutlich formuliert: Der Mensch solle die Schöpfung “bebauen und bewahren” (1. Mose 2, 15). Während des Themenjahres wollen wir auch über die biblischen Grundlagen unseres Handelns nachdenken. Der Theologe und Arzt Albert Schweitzer hat dazu wichtige Überlegungen angestellt. Schweitzer entwickelte die Lehre von der “Ehrfurcht vor dem Leben”. Demnach kann jeder Mensch einsehen: “Ich bin Leben, das leben will, inmitten von anderem Leben, das leben will”. Daher gilt dem denkenden Menschen als “gut”, Leben zu erhalten und zu fördern. Als “böse” muss ihm gelten, Leben zu vernichten und zu schädigen. Wir brauchen also eine Grundhaltung der Solidarität mit allem Lebendigen. Wenn ich Ressourcen verbrauche, dann sollte ich also auf “Nachhaltigkeit” achten.

Dieser Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Gemeint ist dies:
Habe ich einen Wald, dann sollte ich niemals alle Bäume auf einmal abholzen. Denn dann folgte auf einen kurzfristigen wirtschaftlichen Nutzen die Zerstörung des Waldes durch Bodenerosion. Besser ist es, immer nur so viel Holz zu schlagen, wie in angemessener Zeit nachwachsen kann. So hätten auch nachfolgende Generationen etwas davon.

Das Themenjahr 2010 in der Friedensgemeinde trägt den Titel
“Selig sind die Klimaschützer”. In Abständen wird es thematische Gottesdienste und Themenabende geben. Alle Gruppen der Gemeinde, vom Kindertagesheim bis hin zum Seniorenkreis, werden sich wiederholt mit Umweltfragen beschäftigen. Und damit das Ganze nicht nur theoretisch bleibt, werden wir in dieser Zeit umfassend bauen: das Gemeindehaus und das Kindertagesheim werden energetisch saniert. Wärmedämmung, der sparsame Umgang mit Heizenergie und Strom sowie die Produktion von Sonnenenergie werden hier praktisch erprobt. Da können Interessierte ganz anschaulich eine Menge lernen und sich mit praktischen Tipps für den Umgang zu Hause versorgen.

Unterstützt werden wir dabei von Partnern wie der Bremer Umweltberatung, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und dem Naturschutzbund (NABU). Mit dabei ist auch der Umweltbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Friedhelm Blüthner. Er verweist auf den engen Zusammenhang von Umweltschutz und Gerechtigkeit: “Die Macht des Einkaufswagens ist groß”. Es wachse die Gruppe der Verbraucher, die nicht mehr billig und ungesund auf Kosten anderer kaufen und leben wolle. Die Kirche unterstütze den Wunsch nach mehr ökologischen und fair gehandelten Waren, indem sie an einem Vertriebssystem für ”ökofaire Beschaffung” arbeite. Künftig können Kirchengemeinden über einen zentralen Einkauf noch direkter umweltfreundliche Materialien für Büro oder Reinigung beziehen. Denn jede und jeder könne etwas für die Umwelt tun. Blüthner: “Die alten christlichen Tugenden der Bescheidenheit und der Demut sollten wieder mehr im Vordergrund stehen”. Was jedoch nicht zu verwechseln wäre mit einem freudlosen Leben. Am Ende des Themenjahres und des Umbaus des Gemeindehauses sollte nicht nur mehr ökologisches Wissen stehen, meine ich, sondern es könnte auch mehr Lebensqualität spürbar werden.


Bernd Klingbeil-Jahr